Diorama

GETEILTES LEID

Yagmur Bal und Yaren Bal

Sowjetische Kriegsgefangene im Stalag 326 (VI K), Frauen und schwangere Frauen

Gesamtschule Schloß Holte-Stukenbrock

Workshop der Gesamtsschule SHS

Was du siehst

Werk Nr. 3

Zu Beginn unseres Projekts hatten wir uns dazu entschieden, das Schicksal der Frauen und Kinder im Stalag 326 gestalterisch aufzuarbeiten, um an die oft vergessene Opfergruppe zu erinnern. Bei der Recherche stießen wir schnell auf ein Problem: Die Lebensumstände dieser Frauen und Kinder sind historisch kaum tiefgründig dokumentiert. Uns standen lediglich ein bis zwei Textseiten eines Autors zur Verfügung. Aus diesem Mangel an historischem Quellenmaterial heraus stellten wir uns die Kernfrage: Wie lässt sich ohne breite Materialbasis und mit reduzierten gestalterischen Mitteln ein würdevolles und eindringliches Gedenken realisieren?

Unsere Intention war eine rein persönliche Gegenüberstellung einer Zwangsarbeiterin und einer privilegierten Frau. Im Zuge der theoretischen Auseinandersetzung erkannten wir jedoch, dass eine isolierte Betrachtung der Einzelschicksale zu kurz greift. Das Leid der Frauen war untrennbar mit ihren Rollen als Mütter und dem Schicksal ihrer Kinder verknüpft. Um diese familiäre und emotionale Dimension abzubilden, wählten wir die Darstellungsform: Geschichte im Schuhkarton, welches uns parallele Erzählräume auf engstem Raum ermöglicht hat.

Die visuelle Umsetzung im Schuhkarton (Bezug auf das Projekt) basiert auf einer strikten, symbolischen Zweiteilung:

Zentrale Barriere: Ein in der Mitte eingezogener Metalldraht symbolisiert die physische und gesellschaftliche Trennung der Lebenswelten sowie das Motiv der Gefangenschaft.

Die rechte Seite (Zwangsarbeiterin): Eine aus Ton geformte Zwangsarbeiterin liegt erschöpft auf einer harten Pritsche. Ihre Gedanken gelten ausschließlich ihrem Kind. Das angrenzende Babybett ist leer und mit vertrocknetem Blut versehen. Dies symbolisiert den Tod des Säuglings. Damit wird der historische Fakt aufgegriffen, dass Zwangsarbeiterinnen aufgrund ihrer Ausbeutung als reine Arbeitskräfte kaum Möglichkeiten zur Pflege und zum Stillen ihrer Kinder hatten. Mangelnde Hygiene, Unterernährung und Krankheiten führten zu einer extrem hohen Säuglingssterblichkeit. Zudem wurden Schwangerschaftsabbrüche zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit erzwungen damit sie weiterhin Arbeitstüchtig waren. Außerdem haben wir uns bewusst dazu entschieden die Zwangsarbeiterin dunkel zu lassen bzw. Sie nicht zu personalisieren um darauf aufmerksam zu machen, dass die Frauen in den Hintergrund geraten sind und kaum von ihnen dokumentiert worden ist. Mit dieser Anonymität der Figur haben wir versucht an alle Zwangsarbeiterinnen uns zu erinnern.

Die linke Seite (Privilegierte Lebenswelt): Im direkten Kontrast dazu erstellten wir eine Familie mit Mutter, Sohn und einem schlafenden Säugling. Die farbliche Gestaltung und die friedliche Szene verdeutlichen die soziale Abweichung zur Situation der Zwangsarbeiterinnen.

Ursprünglich hatten wir überlegt, einen ganz großen Kasten zu bauen. Beim Planen fiel uns jedoch auf, dass eine enorme Größe gar keinen inhaltlichen Mehrwert oder logischen Grund gehabt hätte. Stattdessen erkannten wir das Potenzial eines kleinen Schuhkartons: Das kompakte Format wirkt nahbar. Uns war es wichtig, nicht nur Erwachsene, sondern auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Ein Schuhkarton erinnert an kindliche Bastelprojekte, konfrontiert die Betrachtenden dann aber auf dieser vertrauten Ebene mit einer harten, historischen Wahrheit. Um diese Authentizität und Nahbarkeit zu verstärken, haben wir komplett auf vorgefertigte Elemente verzichtet. Alle Figuren wurden von uns selbst aus Ton geformt und bemalt. Jede Unebenheit zeigt unsere eigene handwerkliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Dieses Projekt zeigt, wie trotz beschränkter Quellen durch kreative und empathische Verinnerlichung ein historisches Bewusstsein geschaffen werden kann. Wir haben versucht, das unvorstellbare Leid dieser Mütter und Kinder so authentisch und respektvoll wie möglich darzustellen. Der Schuhkarton hat uns dabei geholfen, diese schmerzhafte Geschichte auf eine greifbare Weise zu erzählen.

Zusammengehörige Werke

Objekt C.07, Podcast

Werk Nr. 1: Podcast

Objekt C.05, Gemälde

Werk Nr. 2: Gemälde

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