Monotypie 11
OHNE TITEL
Wer hat’s gemacht?
Tessa Haberbeck
Mit wem wurde sich beschäftigt?
Sowjetische Kriegsgefangene im Stalag 326 (VI K) allgemein
Schule
Städtisches Gymnasium Delbrück
Workshop
Kunstworkshop „Monotypie“ im Rahmen der Tagung „Wie wollen wir erinnern?“
Was du siehst
Für mein Bild habe ich die Farben Schwarz, verschiedene Grautöne, verschiedene Grüntöne und Rot genommen. Schwarz und Grau symbolisieren dabei eine eher dunklere Stimmung, das Grün eine friedliche, leise Stimmung und das Rot steht für das vergossene Blut der vielen gestorbenen Soldaten.
Bei dem Malprozess hat mich besonders die Erinnerung an den Friedhof der sowjetischen Kriegsgefangenen stark geprägt. Schon als wir auf dem Friedhof angekommen sind, wurde einem klar, dass es zugleich ein sehr beklemmender Ort ist und gleichzeitig auch ein friedlich, leiser. Als wir über den Friedhof gegangen sind, war es ruhig und die Vögel haben zeitweise gezwitschert und doch hatte man das Gefühl, dass dieser Ort laut war von all den Geschichten der tausende von Menschen, die hier begraben lagen. Man kann es als eine Art Beklemmung beschreiben, die einen heimgesucht hat.
Was mir ebenfalls aufgefallen ist, waren die vielen kleinen Skulpturen, die jemand vor die Gräber gestellt hatte, sowohl auf den Gedenksteinen bei den Massengräbern als auch vor die Einzelgräber. Sie sahen aus, als wären sie Schutzengel, die die Toten beschützen würden und haben mich später im Malprozess dazu bewegt sie als Motiv aufzunehmen.
Das Grab mit der Aufschrift „Unknown“ auf meinem Bild habe ich ebenfalls als Motiv von dem Friedhof. Ich wollte damit darstellen, dass so viele auf dem Friedhof kein eigenes Grab besitzen oder bei einigen bis heute unbekannt ist, wie sie einmal geheißen haben. Diese Erkenntnis hat mich persönlich stark getroffen und mitgenommen, weil meiner Meinung nach es niemand verdient hat, kein eigenes Grab zu bekommen oder gar vergessen zu werden.
Die rote Schrift war ein Spruch von einem Gedenkstein auf dem Friedhof. Ich habe ihn gewählt, da er eine traurige, aber gleichzeitig auch wahre Geschichte erzählt. Gemeinsam mit dem Grabstein und dem Engel symbolisiert der Spruch eine Erinnerung und das Gedenken an diejenigen, die auf diesem Friedhof begraben wurden, egal ob sie nun ein eigenes Grab oder einen Namen besitzen. Der schwarze Rand auf meinem Bild soll so eine Art Rahmen um die Szenerie in der Mitte des Bildes herum bilden, sodass man zwar erst auf die relativ bunte Mitte schaut und danach dann die Gefühle und Stimmungen auf dem Rahmen wahrnimmt. Beim Malen habe ich auch festgestellt, dass dieses Bild für mich wie so eine Art Fenster ist. Außerhalb sieht man das unterschiedliche Gedenken derer, die ihr Leben im Stalag 326 gelassen haben, und hinter dem Fenster lassen sich nur die Gefühle darstellen, die man empfindet, wenn man diese Szenerie gesehen und zum Großteil verstanden hat, worum es dabei eigentlich geht. Bei den Gefühlen auf dem schwarzen Rahmen habe ich mich allerdings nicht nur auf meine eigenen bezogen, sondern auch versucht, andere mit einzubringen, wie z.B. die Gefühle der Angehörigen der Verstorbenen.
Tessa Haberbeck
Hallo, mein Name ist Tessa Haberbeck, ich bin 18 Jahre alt und besuche aktuell das Städtische Gymnasium Delbrück. Ich habe am Memory-Maker-Day ein Bild gemalt, die Monotypie Nummer 11.
Mir hat die Tagung sehr gut gefallen, da wir viele neue Einblicke in das Geschehen im Stalag bekommen haben. Auch die damit verbundene Auseinandersetzung durch das Malen hat mir sehr gut gefallen. […] Ich habe an dieser Tagung teilgenommen, um mich weiter mit dem Thema unserer nationalsozialistischen Geschichte auseinanderzusetzen und auch einmal von einer anderen Herangehensweise aus alles zu betrachten.
Mit meinem Bild habe ich versucht, die Gefühle, die ich bei dem Besuch des Friedhofs und der Gedenkstätte hatte, zu verarbeiten. Damit will ich auch zeigen, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und zu verstehen.
